{"id":169,"date":"2016-12-03T11:13:42","date_gmt":"2016-12-03T11:13:42","guid":{"rendered":"http:\/\/arnim-emrich.de\/?p=169"},"modified":"2019-02-17T13:13:30","modified_gmt":"2019-02-17T13:13:30","slug":"rezension-in-der-siebenbuergischen-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arnim-emrich.de\/?p=169","title":{"rendered":"Rezension in der Siebenb\u00fcrgischen Zeitung"},"content":{"rendered":"<div class=\"links\"><img src=\"https:\/\/www.siebenbuerger.de\/daten\/grafik\/sbz-logo-weiss.gif\" alt=\"\"><\/div>\n<div id=\"inhalt\">\n<div class=\"artikelkopf\">\n<p class=\"artikeldatum\">15. November 2016<\/p>\n<\/div>\n<h1>Von Nordsiebenb\u00fcrgen nach Franken: Arnim Emrichs Romandeb\u00fct &#8222;Der Fremde&#8220;<\/h1>\n<div class=\"artikeleinleitung\">Der Buchtitel l\u00f6st beim Literaturkenner die Erinnerung an die gleichnamige weltber\u00fchmte Erz\u00e4hlung von Albert Camus aus, die 1942 w\u00e4hrend der deutschen Besatzung in Frankreich erscheinen konnte. Camus thematisiert die soziale Entfremdung des in Algerien zum M\u00f6rder werdenden Meursault, hingegen erz\u00e4hlt der literarisch-dokumentarische Erstling von Arnim Emrich das Schicksal seines in die Fremde verschlagenen siebenb\u00fcrgischen Gro\u00dfvaters \u201eauf der Suche nach Heimat\u201c, wie der Untertitel des Buches lautet.<\/div>\n<div class=\"artikeltext\">Dieses Buch erscheint zu einem Zeitpunkt, da die deutschen Medien immer noch t\u00e4glich \u00fcber Fl\u00fcchtlinge aus dem Nahen Osten und zahlreichen afrikanischen L\u00e4ndern berichten. Im kollektiven Bewusstsein der deutschen \u00d6ffentlichkeit, besonders der j\u00fcngeren Generation, ist jedoch das Schicksal der Fl\u00fcchtlinge und Vertriebenen aus dem deutschsprachigen Osteuropa 1944\/45 kaum noch vorhanden. Nun erz\u00e4hlt ein Autor der Enkelgeneration die Flucht seines Gro\u00dfvaters mit dessen Familie aus Nordsiebenb\u00fcrgen und schildert die Ankunft sowie \u2013 trotz der Widrigkeiten \u2013 die gelingende Integration im zerst\u00f6rten Nachkriegsdeutschland.<\/p>\n<p>Der 1982 in Baden-W\u00fcrttemberg geborene Arnim Emrich erz\u00e4hlt die Lebensgeschichte dieses Gro\u00dfvaters (1928 in Obereidisch bei S\u00e4chsisch-Regen geboren) so authentisch, als w\u00e4re er dabei gewesen. Woran das liegt, wird im Nachwort des Autors erkennbar: Er hat die Urheimat seiner Vorfahren nicht nur mehrfach besucht, sondern ein Jahr lang in Rum\u00e4nien gelebt, um Land und Leute kennen zu lernen und Fakten zu recherchieren. Zur Wahrhaftigkeit der erz\u00e4hlten Erlebnisse tr\u00e4gt bei, dass Emrich den Gro\u00dfvater aus der Sicht des heranwachsenden Thomas (\u201eTimm\u201c) berichten l\u00e4sst. Ein nicht einfaches Verfahren, weil der Autor darauf achten muss, dass er den damaligen altersgem\u00e4\u00dfen Erfahrungshorizont ber\u00fccksichtigt und keine sp\u00e4teren Erkenntnisse einflie\u00dfen l\u00e4sst. Dies gelingt Emrich insofern gut, als er immer wieder deutlich macht, wie wenig die Kinder und Jugendlichen, aber auch die meistens Erwachsenen in ihrem abgeschiedenen Dorf von den politischen Ereignissen und deren Auswirkungen erfuhren bzw. verstanden.<\/p>\n<p><span class=\"bildl\"><img src=\"https:\/\/www.siebenbuerger.de\/bild\/zeitung\/2016\/emrich_der_fremde.jpg\" alt=\"l ...\"><\/span>Die Handlung beginnt im Jahre 1936, als sich die Politik Hitlers auch auf die sogenannten \u201eVolksdeutschen\u201c in Siebenb\u00fcrgen auszuwirken beginnt. Mit dem idyllischen Landleben in Obereidisch ist es vorbei, als Nordsiebenb\u00fcrgen durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch (1940) an Ungarn f\u00e4llt. Der junge Timm muss nun bei Wehr\u00fcbungen der ungarischen \u201eLevente\u201c, einer HJ-\u00e4hnlichen Jugendtruppe, mitmachen. War er es bisher gewohnt, mit seinem Vater auf den M\u00e4rkten Umgang mit Rum\u00e4nen, Ungarn, Juden und Zigeunern zu pflegen, versch\u00e4rfen sich nun die Spannungen zwischen den Nationalit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Der Einfluss der \u201ereichsdeutschen\u201c Institutionen (Volksbund, Ortsf\u00fchrer, HJ) auf die Mentalit\u00e4t einiger Honoratioren (z.B. den Pfarrer) wirkt sich negativ aus. Die ungarischen \u201ePfeilkreuzler\u201c organisieren die Verhaftung der Juden, die \u2013 auch von jungen Sachsen \u2013 in Lagern bewacht werden m\u00fcssen. Timm kann seinem j\u00fcdischen Freund Simon vor dem Abtransport noch heimlich ein Brot zustecken, doch dann h\u00f6rt er nie wieder von ihm. Timms vier \u00e4ltere Br\u00fcder werden eingezogen, die Front r\u00fcckt 1944 n\u00e4her, die Niederlage der Deutschen zeichnet sich ab. Die Flucht der Dorfbewohner mit Hilfe der Wehrmacht in Richtung Westen bildet den \u00fcberaus spannenden Kern des Geschehens. Die Ankunft in Th\u00fcringen, das von den Amerikanern an die Russen \u00fcbergeben wird, die Erfahrungen des Erz\u00e4hlers als Helfer auf deutschen Bauernh\u00f6fen, die Flucht der Familie \u00fcber die Grenze im Jahre 1947 und der schwere Neuanfang in Franken k\u00f6nnen hier nur skizziert werden.<\/p>\n<p>Der Ich-Erz\u00e4hler schildert sehr anschaulich, wie die Maschinerie von Politik und Krieg die Existenzgrundlage und Lebensplanung ganzer Familien zerst\u00f6rt. Zu bem\u00e4ngeln ist leider der Gebrauch sprachlicher Anachronismen: Damals wurden W\u00f6rter wie \u201efokussieren, entspannen, starten und stoppen, abspeichern, Energie tanken, super\u201c u.a. Ausdr\u00fccke von Siebenb\u00fcrger Sachsen nicht verwendet. Auch andere Sprachschnitzer wirken st\u00f6rend.<\/p>\n<p>Insgesamt ist aber dieses Buch sehr zu empfehlen, vor allem f\u00fcr die Enkelgeneration, die das Leben ihrer Gro\u00dfeltern, die anfangs in Deutschland als \u201eFremde\u201c nicht immer willkommen waren, vielleicht nur vom H\u00f6rensagen kennen. Ein geeignetes Geschenk zu Weihnachten!<\/p>\n<p class=\"artikelautor\">Konrad Wellmann<\/p>\n<p><strong>Arnim Emrich: Der Fremde \u2013 Auf der Suche nach Heimat. Roman, Landhege-Verlag, Schwaigern, 2016, 336 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 978-3-943066-45-6<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. November 2016 Von Nordsiebenb\u00fcrgen nach Franken: Arnim Emrichs Romandeb\u00fct&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/arnim-emrich.de\/?p=169\">Beitrag lesen<span class=\"screen-reader-text\">Rezension in der Siebenb\u00fcrgischen Zeitung<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":""},"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169"}],"collection":[{"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=169"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":189,"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169\/revisions\/189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/arnim-emrich.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}